Mentaltraining mit Jugendlichen

Wie kann ich jugendliche Leistungssportler zum regelmäßigen Mentaltraining motivieren?

Mentaltraining ist -wie der Name schon sagt- TRAINING, das heißt es muss regelmäßig durchgeführt werden, damit es wirkt. Nun sind Jugendliche oftmals nicht sofort so begeistert von den genialen Mentaltrainings-Übungen wie wir Mentaltrainer, daher sollte ein guter Mentaltrainer auch immer ein Stück weit Motivator sein, um zumindest eine Anfangsmotivation beim Jugendlichen auszulösen, die vorgestellten Übungen einmal auszuprobieren.

Die Motivation spielt also für den Beratungserfolg eine entscheidende Rolle und sollte neben dem eigentlichen Thema, das mit dem Mentaltraining angegangen wird (Konzentrationssteigerung, Aufbau mentaler Stärke, Erholungsoptimierung usw), stets mit berücksichtigt werden.

Wie kann ich jugendliche Leistungssportler zum Mentaltraining motivieren? Die Methoden zur Herstellung einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre ("Compliance"), die eine Zusammenarbeit überhaupt erst ermöglicht, sind zunächst einmal bei Jugendlichen genau die gleichen wie bei Erwachsenen:

1. professionelles Auftreten

Viele "kleine" Unterpunkte, die zum Basiswissen eines qualifizierten Mentaltrainers zählen, z.B. spezielle Berufskleidung, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, gepflegtes Äußeres, kein Mundgeruch, ...

 

2. respektvoller Umgang

"Ich bin ok - du bist ok", Aufmerksamkeit und Respekt schenken, Vertrauensvorschuss geben, den Jugendlichen ernst nehmen, ehrliches Interesse an seiner Sichtweise haben

 

3. einen professionellen Rahmen setzen

Es ist kein "Gespräch zwischen Tür und Angel" oder ein paar "Tipps", die man dem Sportler gibt, sondern es handelt sich beim Mentaltraining um eine professionelle Beratung, d.h. es wurde vorher ein Termin vereinbart, der Termin kostet in der Regel Geld, Kompetenznachweise/Referenzen sind sichtbar, Einsatz professioneller Arbeitsgeräte und Instrumente (Bohnensäckchen, Wackelbrett, Jonglierbälle, Biofeedback-Gerät, ...).

 

Speziell für Jugendliche kommen darüberhinaus folgende Punkte hinzu:

4. den Jugendlichen am eigenen Ehrgeiz packen!

Stell als Mentaltrainer immer wieder Testsituationen her, so dass der jugendliche Leistungssportler spielerisch seine Grenzen erfahren kann und schnelle Erfolgserlebnisse bei Mitarbeit hat.

Beispiele:

- Wie lange kannst du jonglieren?

- Wie lange kannst du auf dem Wackelbrett jonglieren?

- Wie lange kannst du auf dem Wackelbrett mit geschlossenen Augen stehen?

- Wie groß sind die Abweichungen beim Unterberger Tretversuch?

- Wie tief fällt der Stab beim Fallstabtest?

- Wie ist deine Bestleistung bei "Touch the numbers"?

Dabei ist nicht entscheidend, ob der Test etwas mit dem Thema der Beratungseinheit zu tun hat! Es geht primär um den Motivationsaufbau, der dann den Beratungserfolg zum "eigentlichen" Thema überhaupt erst ermöglicht.

 

5. Integration in den Alltag erleichtern!

- Zettel am Badezimmer-Spiegel

- Erinnerungsfunktion am Handy nutzen

- kleinere Trainingsgeräte anschaffen (diese haben allein dadurch, dass sie im Zimmer liegen einen hohen Erinnerungs- und Aufforderungscharakter), z.B. Jonglierbälle, Wackelbrett, Einrad, Bohnensäckchen, ...

- Freunde/Familie/Trainingspartner mit einbeziehen in das Mentaltraining

 

6. Hausaufgaben zum Mentaltraining geben und zuschicken lassen!

Das steigert nicht nur die Verbindlichkeit der Beratung und ist eine Art des Controllings, sondern es hilft dem Sportler dabei, sich die Aufgabe klar zu machen: Was ist genau zu tun? Wenn es Unklarheiten bei der Aufgabenstellung gab, werden diese spätestens bei der Bearbeitung der Hausaufgaben offenkundig und ermöglichen Gesprächseinstiege für die Fortsetzung des Mentaltrainings (=Motivation).

 

Ganz wichtig ist es, den Fokus immer wieder auf die Fortschritte zu lenken. Diese also bewusst zu machen, sie zu visualisieren, z.B. die Bestzeiten bei "Touch the Numbers" dokumentieren mit Datum, so dass sich in der Verlaufsdarstellung ein ständiger Fortschritt ergibt. Diese Erfolgserlebnisse motivieren mehr als alles andere, dran zu bleiben.

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